Sitzung: 09.09.2025 Betriebsausschuss Breitbandinitiative
Betriebsleiter Markus Fischer führt in das Thema der bundesweiten
Mobilfunk-Messwoche im Landkreis Vechta ein und betont, dass die Kampagne
intensiv beworben wurde, um möglichst viel Traffic über die Funkloch-App zu
erzeugen. Die anonymisierten Daten werden von der BNetzA gesammelt. Die Aconium
hat die Daten für den LK Vechta ausgewertet und wird Handlungsempfehlungen
liefern. Die Ergebnisse werden auf der Homepage des Landkreises veröffentlicht
und in einer Pressemitteilung kommuniziert.
Eike Gutt und Benjamin Beyer von der Aconium präsentieren die Ergebnisse
der Messwoche und betonen, dass die Kampagne sehr erfolgreich war, da im
Landkreis Vechta 20,9 % der Fläche mit Daten abgedeckt wurden, was besser ist
als im Durchschnitt des Landes Niedersachsen (15,7 %). Die Daten zeigen, dass
es in bestimmten Gebieten, wie Herrenholz, Barnsdorfer Straße und Damme,
Versorgungslücken gibt. Es gibt Diskrepanzen zwischen den Messdaten und dem
Monitoring der Bundesnetzagentur (BNetzA), die auf Schönrechnungen der
Netzbetreiber hindeuten könnten.
Betriebsleiter Markus Fischer fragt nach der Herkunft der
Monitoring-Daten bei der BNetzA und Gutt erklärt, dass diese von den
Netzbetreibern berechnet werden, ohne direkte Messungen. Benjamin Beyer fügt
hinzu, dass die Bundesnetzagentur stichprobenartig verifiziere, aber immer noch
ein Graubereich bestehe. Fischer fragt, ob das 2G-Netz in Zukunft abgestellt
werde, und ob dies Auswirkungen auf die 4G- und 5G-Versorgung haben könnte.
Herr Beyer bestätigt dies, da sich dann die Frequenzverteilung verändert.
Hartmut Heinen schlägt vor, die Messdaten mit den Monitoring-Daten
abzugleichen, um Diskrepanzen zu identifizieren. Fischer plant, die Daten in
einem GIS-System sichtbar zu machen, um die Versorgung transparent zu gestalten.
Die Breitbandinitiative möchte eine Art Info-Website zum Mobilfunk erstellen.
Eike Gutt betont die Notwendigkeit, die Ergebnisse durch professionelle
Messungen zu verifizieren, um belastbare Daten für Gespräche mit den
Netzbetreibern zu bekommen.
Herr Beyer erläutert, dass die Mobilfunknetzbetreiber bis 2030
mindestens 99,5 % der Fläche mit 50 Mbit und 99% der Haushalte mit 100 Mbit
versorgen müssten. Er betont, dass die Mobilfunknetzbetreiber Unterstützung
benötigen, um diese Ziele zu erreichen, und dass es zu einem Wettbewerb
zwischen Regionen kommen werde.
Herr Goda schlägt vor, der Landkreis Vechta solle einen Antrag an die
Bundesnetzagentur stellen, um das Messverfahren zu ändern und praxisnähere
Daten zu erheben. Herr Gutt erläutert, dass die Bundesnetzagentur bereits ein
Messkonzept veröffentlicht habe, das dritten Anbietern ermögliche, Daten zu
erheben, die ins Monitoring einfließen könnten.
Herr Gerdesmeyer betont, dass die Daten der Bundesnetzagentur nicht nur
den Landkreis Vechta, sondern auch andere Regionen betreffen. Er schlägt vor,
die Bundesnetzagentur mit den Ergebnissen der Bürgermessung zu konfrontieren,
um die Versorgungslücken zu dokumentieren.
Die Handlungsempfehlungen umfassen die Integration der vorliegenden
Daten in ein zu schaffendes GIS-System, die Unterstützung der Netzbetreiber bei
Standortsuche und -ausbau sowie das Management von Stakeholdern, um die
Mobilfunkversorgung effektiv zu verbessern.
Herr Beyer erläutert, dass die Mobilfunknetzbetreiber selbst nicht die
Standorte besitzen, sondern die Tower Companies, die ausgegliedert worden
seien. Dies potenziere die Anzahl der Ansprechpartner, mit denen Lösungen
gefunden werden müssten.
Das Stakeholder-Management sei ein wichtiger Punkt, an dem gearbeitet
werde, und Erfahrungen aus anderen Projekten oder Zusammenarbeiten mit
Bundesländern seien hilfreich. Detailfragen zu einzelnen Standorten, wie der
Stromanschluss oder der Glasfaseranschluss, seien ebenfalls relevant. Die
Anwendung von Mobilfunkstandorten in ländlichen Räumen sei oft schwierig und
teuer, weshalb unkonventionelle Lösungen, wie alternative Zuführungen oder
erneuerbare Energien, in Betracht gezogen werden müssten.
Die Befahrung und Bemessung der Mobilfunkversorgung sei wichtig, um
fundierte Daten für Gespräche mit den Mobilfunknetzbetreibern zur Verfügung zu
stellen. Die Messung aller Netztechnologien, einschließlich Latenz- und
Datendurchsatz, sei notwendig, um die Funklücken zu identifizieren. Die
Integration der Daten in GIS-Systeme könne auch zur Transparenz gegenüber den
Bürgern beitragen.
Herr Beyer bedankt sich für die Aufmerksamkeit und steht für Fragen zur
Verfügung.
Herr Tobias Gerdesmeyer fragt, ob es sinnvoll sei, das gesamte
Kreisgebiet zu messen. Er erwähnt, dass Transparenz gegenüber der Bevölkerung
ein Argument sei, aber auch Unmut schüren könne. Evtl. scheint es sinnvoller,
sich auf Bereiche zu konzentrieren, in denen bereits ein Handlungsbedarf
bestehe, und ob zukünftig auf Türme gesetzt werde, die von mehreren
Mobilfunkunternehmen genutzt werden.
Herr Eike Gutt erläutert, dass zukünftig Türme von mehreren
Netzbetreibern genutzt werden, um mehr Einnahmen zu erzielen. Er bestätigt,
dass andere Firmen, die sich auf die Infrastruktur konzentrieren, die Türme
bauen. Bei den Messungen sei es bisher oft so gewesen, dass die Netzbetreiber
die Daten nicht anerkannt hätten. Er hofft, dass dies sich ändere, wenn die
Daten von der Bundesnetzagentur anerkannt werden. Die Messungen seien wichtig
für die Gespräche und die eigene Planung.
Herr Holger Böckenstette fragt, ob die alte Mess-Technik auf dem Dach
des Autos noch verwendet wird oder ob inzwischen mit Messgeräten im Inneren des
Autos gemessen wird. Herr Beyer antwortet, dass das Ziel sei, von innen zu
messen, und dass derzeit Gespräche mit der Bundesnetzagentur zur Konformität
der Messungen geführt werden.
Herr Holger Ziefus fragt, ob man auf die steigende Nachfrage vorbereitet
sei, insbesondere durch KI und autonome Fahrzeuge. Herr Beyer erläutert, dass
die Prognose der Nutzerdaten von Smartphone-Nutzern noch nicht die
datengetriebenen Anwendungen in der Landwirtschaft oder KI berücksichtigt. Die
Datenmengen könnten sich exponentiell steigern, insbesondere durch 6G. Herr
Gutt ergänzt, dass die Grenzen der Mobilfunkversorgung bereits sichtbar seien,
insbesondere in ländlichen Räumen.
Herr Walter Goda betont die Bedeutung der Bürgerbeteiligung und die
Herausforderung, Funkmaste in Wohngebieten zu errichten. Er berichtet von einer
leidvollen Erfahrung, bei der die Bürger einen Funkmast trotz Bedarfs
ablehnten. Herr Beyer erläutert, dass Bürgerbeteiligung Teil des
Stakeholder-Managements sei und dass es unkonventionelle Lösungen, wie
maskierte Standorte, gebe.
Herr Tobias Gerdesmeyer dankt für die Vorstellung und schlägt vor, das
Thema in einem konkreten Angebot weiter zu diskutieren. Er betont die
Bedeutung, den Standorten die Infrastruktur zu erleichtern. Herr Markus Fischer
ergänze, dass die Informationen auf der Website aufbereitet werden und dass
fundierte Informationen zur Mobilfunkstrahlung bereitgestellt werden. Er
kündigt an, dass das Thema Mobilfunk in der nächsten Sitzung im November
konkret behandelt werde
